Enzephalitozoon Cuniculi

Bei Enzephalitozoon cuniculi (E.C.), auch „Schiefhals“ oder „Head Tilt“ genannt, handelt es sich um eine äußerst ernste Erkrankung mit unspezifischen Merkmalen. Bitte macht euch mit den Merkmalen gut vertraut, damit ihr notfalls schnell den Tierarzt aufsuchen könnt, denn je zügiger mit der Behandlung begonnen wird, desto größer sind die Chancen, dass die Nervenschädigungen so gering wie möglich ausfallen und eine vollständige Heilung erfolgt
 

Muckilein nach überstandener Erkrankung


Was ist E. Cuniculi?

E. Cuniculi wird hervorgerufen durch einen einzelligen Parasiten, der das zentrale Nervensystem des Tieres befällt.

Muttertiere übertragen die Krankheit schon auf ihre ungeborenen Babys.

Infizierte Tiere scheiden die Sporen des Erregers über ihren Kot und Urin aus.

Die Sporen werden von anderen Tieren aufgenommen.

E.Cuniculi ist demnach auf andere Tiere übertragbar!

Menschen sind nur gefährdet, wenn sie an einer Immunschwäche leiden.

Eine Impfung oder Vorbeugung gibt es nicht.

Haltet eure Tiere so artgerecht wie möglich, denn ein intaktes Immunsystem kann den Ausbruch der Krankheit trotz Vorhandenseins des Erregers verhindern.


Beobachtet eure Tiere genau und achtet auf die folgenden Symptome!

Oft merkt man den Kaninchen erst spät an, dass sie an E.C. erkrankt sind.

Welche Merkmale / Symptome stellt man fest?



Folgende Symptome können ein Hinweis auf eine E.C.-Erkrankung sein:


- Das Kaninchen fühlt sich nicht wohl und ist apathisch, müde, lustlos.

- Ein Auge fällt zu.

- Der Kopf wird schief gehalten.

- Das Kaninchen hat Gleichgewichtsstörungen, kippt beim Putzen um oder läuft im Kreis.

- Es schüttelt den Kopf oder wirft den Kopf in den Nacken.

- Lähmungserscheinungen treten auf. Das Kaninchen hinkt, lahmt, zieht die Beine nach.

- In schlimmen Fällen dreht sich das Kaninchen anfallartig um die eigene Körperachse.

- Das Kaninchen magert ab. Andere Ursachen (Kokzidien, Zahnfehlstellung) wurden
  ausgeschlossen.

- Das Kaninchen leidet an Darmproblemen mit ungeklärter Ursache.

- Es leidet unter Schnupfen mit ungeklärter Ursache.

- Das Kaninchen ist außergewöhnlich schreckhaft.

- Es reißt die Augen starr auf. Die Reflexe der Pupille funktionieren nicht mehr richtig.

- Das Kaninchen trinkt auffallend viel. Andere Ursachen (Diabetes) wurden ausgeschlossen. Das
  vermehrte Trinken tritt auf, weil die Nieren geschädigt werden können.

- Es fallen plötzlich Zähne aus oder brechen ab

- Das Kaninchen erblindet


Diesen Merkmalen kann eine E.C.- Erkrankung zugrunde liegen!

Solltet ihr den Verdacht haben, euer Kaninchen könne an E.C. leiden, sucht bitte unverzüglich einen kaninchenerfahrenen Tierarzt auf!

Einige der Symptome können nacheinander auftreten, kurz erscheinen und zeitweise wieder verschwinden oder auch gleichzeitig auftreten.
 

 Muckilein in der akuten Phase der Erkankung

Wie wird E. Cuniculi behandelt?

E.C. wird über einen Bluttest nachgewiesen.

Es gibt den Tuschetest, der allerdings nur etwas darüber aussagt, ob der Befund positiv oder negativ ist.

Zu empfehlen ist der Immunfluoreszenztest. Es handelt sich hierbei um einen Bluttest mit Bestimmung der Titerhöhe.

Es gibt sehr wenige Labors, die den Immunfluoreszenztest durchführen. Daher findet ihr am Ende dieses Berichts die Adresse eines Labors, an das euer Tierarzt die Blutprobe schicken kann.

Da die Auswertung des Tests einige Tage dauert, muss bis zum Vorliegen des Ergebnisses vorsichtshalber sofort mit der Gabe eines Anti-Wurmmittels begonnen werden. Je schneller die Behandlung beginnt, desto größer ist die Chance, die Nervenschädigungen möglichst gering zu halten!Wenn der E.C.-Verdacht am Wochenende oder mitten in der Nacht aufkommt, fahrt bitte sofort zum Not-Tierarzt! Bei E.C. zählt jede Stunde!!!

Bitte richtet euch darauf ein, dass euer Tierarzt eventuell wenig Erfahrung mit dieser Krankheit hat.

Ihr könnt ihm einen Ausdruck des Vortrages von Frau Dr. Drescher mitnehmen:

www.birgit-drescher.de/vortraege_s2.html


(Ergänzung: Ein Einschläfern des Tieres ist nicht nötig, wenn innerhalb von 5-7 Tagen keine Besserung eintritt! Es dauert oft viel länger, bis sich geringe Erfolge einstellen!)

Verlangt bitte unbedingt das Medikament Panacur. Der Wirkstoff ist Fenbendazol.

Von der 10%igen Suspension gibt man dem Kaninchen 0,2ml pro kg Körpergewicht über einen Zeitraum von mindestens 4 Wochen!

Panacur hat keine Nebenwirkungen.

Partnertiere sollten unbedingt auch mit Panacur behandelt werden!
(Änderung: Das wird inzwischen nicht mehr unbedingt gemacht!)

Das akut erkrankte Tier bekommt außerdem ein gehirngängiges Antibiotikum (z.B. Tetracyclin oder Chloramphenicol), um Sekundärinfektionen zu vermeiden.
(Änderung: Baytril ist ebenfalls gehirngängig und daher auch geeignet.)

Die Gabe von Vitamin B ist ebenfalls sehr wichtig.

Cortison kann eingesetzt werden, je nach Einschätzung des Tierarztes.

Ergänzung: Das Medikament Daraprim (aus der Humanmedizin) wirkt ebenfalls gegen den Erreger und kann helfen, wenn man mit Panacur nicht die gewünschten Erfolge erzielt. Molli bekam es auch und hat es gut vertragen.

Eine Studie zum Einsatz von Daraprim findet ihr hier: Daraprim bei Enzephalitozonoose

Umgang mit dem akut erkrankten Kaninchen:

Vor euch liegt nun vielleicht eine lange, anstrengende Zeit, in der ihr viel Geduld, Liebe und gute Nerven braucht.

Jede Art von Stress sollte vermieden werden, weil die Krankheit dadurch verschlimmert werden kann. Das erkrankte Tier braucht viel Ruhe und Wärme.

Trennt das erkrankte Kaninchen nur von den Partnertieren, wenn es sich durch starke Orientierungslosigkeit oder Rollanfälle selber gefährdet, oder von den anderen angegriffen wird.

In schweren Fällen kann eine Begrenzung des Lebensraumes, z.B. in einer ausgepolsterten Transportbox, und der Aufenthalt in einem abgedunkelten Raum erforderlich sein.

Lasst euch nicht entmutigen, wenn es trotz sofortiger Medikamentengabe in den ersten Tagen zu einer Verschlimmerung der Symptome kommt! Das Panacur braucht oft Zeit, bis es wirkt. Ein Auf und Ab ist ebenfalls typisch für diese Krankheit.

Gebt nicht zu schnell auf! Solange das Kaninchen trinkt, frisst und Kotabsatz hat, besteht Hoffnung auf Heilung! Helft dem Tier beim Fressen und Trinken, wenn es allein den Napf nicht mehr findet!

Da E.C.-Patienten oft stark an Gewicht verlieren, ist es sinnvoll, Critical Care (oder einen anderen Päppelbrei) zuzufüttern.

Der nachfolgende Bericht über die E.C.-Erkrankung meiner Molli soll euch Mut und Hoffnung machen. Molli war sehr schwer erkrankt, aber mit viel Geduld und Liebe haben wir die schwere, akute Zeit gemeinsam überstanden. Oft bleiben nach der akuten Phase minimale Einschränkungen zurück, z.B. eine leichte Kopfschiefhaltung. Aber die Tiere kommen damit gut klar und haben trotzdem ein schönes Leben!

Für weitere Fragen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung!

s-rank@arcor.de


© Silke Rank 2006



Adresse eines Labors (Immunfluoreszenztest):

Dr. Dieter Barutzki
Fachtierarzt für Parasitologie
Tierärztliches Labor

Wendlinger Str. 34
79111 Freiburg

Tel. 07614761200
 

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